Auditiv-Verbale Therapie (AVT)

Die Auditiv-Verbale Therapie als Teil auditiv-verbaler Praxis, begleitet, unterstützt und fördert Kinder und Jugendliche mit Hörschädigung auf ihrem Weg, Hören und Sprechen zu lernen - gemäß ihren individuellen Möglichkeiten.

Eine frühe Erkennung des Hörschadens, bestmögliche technische Versorgung mit Hörgeräten und Cochlea Implantaten sowie professionelle Auditiv-Verbale Therapie unter aktiver Beteiligung der Eltern ermöglicht vielen Kindern eine altersgemäße Hör- und Sprachentwicklung. Diese Förderung sollte so früh wie möglich einsetzen, idealerweise im Säuglingsalter.  

Da ein Kind sprechen lernt, was es hören kann, begleitet der AV-Therapeut die technische Anpassung von Hörgeräten und Cochlea-Implantaten in enger Kooperation mit den Pädakustikern, Audiologen und klinischen Ingenieuren. Die interdisziplinäre Zusammenarbeit umfasst darüber hinaus alle an der Förderung und Behandlung des Kindes beteiligten Personen. 

AVT, durchgeführt von ausgebildeten erfahrenen Therapeuten für Kinder mit Hörschädigung, orientiert sich in ihrer Zielsetzung an der natürlichen kindlichen Entwicklung. Von größter Bedeutung sind dabei die Eltern des Kindes. In vertrauensvoller Zusammenarbeit werden sie begleitet und unterstützt bei der Verarbeitung der Diagnose und der Entwicklung eigener Ressourcen. Sie werden beraten und angeleitet, die Hör- und Sprachentwicklung ihres Kindes zu fördern. Die Erörterung und Dokumentation der Reaktionen und Entwicklung des Kindes, die Erstellung von Behandlungsplänen sowie der Einsatz standardisierter Tests dienen der Transparenz, Verlaufskontrolle und Qualitätssicherung. 

Die wöchentlich stattfindenden Sitzungen haben Modellfunktion. Im Spiel mit dem Kind üben die Eltern Strategien und Techniken ein, die sie zu Hause in den Alltag übertragen, um ihrem Kind das Hören und Sprechen lernen zu erleichtern. So schaffen sie im täglichen Umgang mit ihrem Kind Bedingungen, die Hören und Kommunizieren begünstigen. Das Kind lernt „Sprechen durch Hören“.

Die Therapie kann sich über mehrere Jahre erstrecken bis die Kinder über eine altersgerechte Lautsprache verfügen und unter normalen Umständen frei lautsprachlich kommunizieren können.

Die AVT hat sich besonders in den USA schnell verbreitet. Im Mai 1987 wurde "Auditory – Verbal International" (AVI) gegründet, eine Organisation, die sich die Aufgabe gestellt hat, die Hör-/Spracherziehung in der ganzen Welt zu verbreiten.
Die ATV wurde in den 50er Jahren in den USA und Kanada als ein therapeutischer Ansatz für Kinder mit Hörschädigung und ihre Eltern entwickelt. In Europa ist eine der bekanntesten Vertreterin Frau Susann Schmid-Giovannini.

Wie der Vorstand von AUDITORY VERBAL INTERNATIONAL 1987 in einem Grundsatzpapier darlegte, ist das Ziel der Auditiv–Verbalen Therapie "Kindern, die hörgeschädigt sind, ein Aufwachsen in normalen Lebens- und Lernumständen zu ermöglichen, in denen sie zu unabhängigen und aktiven Gliedern der Gesellschaft werden können.

Die auditiv–verbale Philosophie unterstützt das Menschenrecht von Kindern mit allen Abstufungen von Hörverlusten, ihre Hörfähigkeit zu entwickeln und sich lautsprachlich mit ihrer eigenen Familie und ihrer Umgebung zu verständigen."

In Anlehnung an Pollak, Schmid–Giovannini und Estabrooks werden folgende Prinzipien der Auditiv –Verbalen Therapie unterschieden:

1. Frühes Erfassen und Erkennen eines Hörverlustes bei Säuglingen,
Kleinstkindern und Kindern und damit verbunden unterstützende
Programme zur Früherkennung und -erfassung

2. Sofort beginnende intensive auditive Förderung

3. Frühester Gebrauch optimal angepasster und hochwertiger
Verstärkertechnologie, um den größtmöglichen Gewinn durch
Hörenlernen zu erzielen.

4. Schaffung einer möglichst günstigen auditiven Lernumgebung
( in enger Zusammenarbeit mit den Eltern), die einer normalen
Entwicklung folgt, parallel dazu das Durchführen einer Einzel-
Therapie

5. Integration des Hörens in die gesamte Persönlichkeit des Kindes,
so dass Hören zur normalen Lebensweise wird

6. Ständig fortlaufende Diagnostik und Erstellen von Prognosen
zur Entwicklung der Hörfähigkeit, des Sprechens, der Sprache
und der Kognition (prozessuale Differentialdiagnostik) als fester
Bestandteil der (Re)Habilitation

7. Unterstützung der Konzepte für Beschulung und
Integration hörgeschädigter Kinder in Regelschulen

8. Aktive Mitarbeit der Eltern, um die sprachliche Kommunikation
zwischen Kind und seiner Familie ständig zu verbessern,
Bestätigung der Eltern als Erstinstanz, die ihrem Kind helfen, die
eigene Stimme, die Stimme seiner Mitmenschen und die
Geräusche der Umwelt hören zu lernen.