Liebe Eltern,

die Diagnose der Hörschädigung ist für Sie, neben vielen anderen alltäglichen Aufgaben und Pflichten, auch mit einer Neuorientierung im Umgang mit Ihrem Kind mit Hörschädigung verbunden.

Sie müssen erst lernen, mit der Behinderung Ihres Kindes umzugehen und diese zu akzeptieren. Dies geschieht jedoch nicht "von selbst", sondern bedarf Ihres vollen Einsatzes.

Für Sie wird es zunächst einmal ein mühsamer Weg sein, zu lernen, dass und wie Sie Ihrem Kind helfen und es im Rahmen seiner Möglichkeiten fördern können. Sie sind aber nicht hilflos Ihrem Schicksal und dem Ihres Kindes ausgeliefert, sondern können Ihren Nachwuchs aktiv dabei unterstützen, hören und sprechen zu lernen.

Eine positive Einstellung zur Entwicklung Ihres Kindes ist besonders zu Beginn Ihrer Bemühungen wichtig, da sich die ersten Erfolge oft erst nach einiger Zeit einstellen. Sie benötigen ein gutes Durchhaltevermögen. Viel Unterstützungen und Hilfestellungen können Sie von Ihrem Therapeuten und anderen gleich betroffenen Eltern erhalten.

Anfangs wird es Ihnen vielleicht schwer fallen, die Behinderung Ihres Kindes nach außen hin offen zu zeigen und über sie zu sprechen. Aber Sie werden sehen, dass ein offensives Vorgehen mit der Hörbehinderung Ihres Kindes Ihnen und Ihrem Kind viele Vorteile bringt:
Es sensibilisiert Ihr Gegenüber für die Behinderung Ihrer Tochter/Ihres Sohnes und zeigt anderen Menschen zugleich, wie sie mit Ihrem Kind umgehen und sprechen können, so dass es nicht isoliert wird. Versuchen Sie dabei aber, sich selbst und Ihr Kind nicht unter einem erhöhten Leistungsdruck zu setzen.

Die Anspruchshaltung, den ganzen Tag ohne Unterbrechung mit Ihrem Nachwuchs reden und üben zu müssen und sofort ein perfekter Sprachtherapeut zu werden, ist sicher überzogen. Genauso wenig dürfen Sie von Ihrem Kind erwarten, dass es in der ersten Zeit ununterbrochen die Hörgeräte trägt und immer aufnahmebereit und lernwillig ist.

Lassen Sie sich und Ihrer Tochter/Ihrem Sohn Zeit, hören und sprechen zu lernen. Setzen Sie sich dabei kleine Zwischenziele. Wenn Ihr Kind die Hörgeräte ablegt, legen Sie diese für kurze Zeit beiseite. Gönnen Sie sich und Ihrem Kind Entspannungspausen.